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Die folgenden Erörterungen stellen meine private Meinung zum angesprochenen Problem dar; sie versuchen zwar, unvoreingenommen die vorhandenen wissenschaftlichen Daten darzustellen, es ist aber durchaus möglich, dass ich daraus unrichtige beziehungsweise auf den konkreten Einzelfall nicht anwendbare Schlüsse ziehe; es gibt auch durchaus angesehene Kollegen, die aus den vorliegenden Ergebnisse völlig andere Schlüsse als ich ziehen. Diese Seite soll daher nur der allgemeinen Information dienen und keinesfalls das Gespräch mit dem behandelnden Arzt ersetzen, da der Laie oft die in meinem Artikel angesprochene Problematik in Bezug auf seinen eigenen, individuellen Fall nicht richtig einschätzen kann und somit ohne ärztliche Begleitung falsche Schlüsse ziehen könnte, die eventuell zu gravierenden gesundheitlichen Folgen führen.



Den folgenden Leserbrief schrieb ich kürzlich an den Standard - er wurde nicht abgedruckt, also wird er Teil meines "Blogs" zu Themen, die mich beschäftigen:


Betreff: Bezahlte Anzeige Prostatakrebs

Am 9.Juni erschien der Standard mit einer von unbekannter Seite bezahlten zweiseitigen Anzeige, deren Tenor es war, dass die urologische Vorsorgeuntersuchung auf Prostatakrebs eine unumstritten positive Sache sei - ohne auch nur in einem Nebensatz darauf hinzuweisen, dass der als Screening verwendete PSA-Test, um den es hier im Wesentlichen geht, eine auch in Medizinerkreisen weltweit sehr kontroversielle Screeningmethode ist.

Dieses Problematik des PSA-Tests wird auch in allen redaktionellen Beiträgen im Standard (siehe Archiv) immer wieder betont. Erst  am 22.Mai 2012 hat die USPSTF (der wissenschaftliche Beirat des amerikanischen Gesundheitsministeriums) von der Durchführung eines PSA-Screenings abgeraten, und folgende Stellungnahme abgegeben:
"Prostate cancer is a serious health problem that affects thousands of men and their families. But before getting a PSA test, all men deserve to know what the science tells us about PSA screening: there is a very small potential benefit and significant potential harms. We encourage clinicians to consider this evidence and not screen their patients with a PSA test unless the individual being screened understands what is known about PSA screening and makes the personal decision that even a small possibility of benefit outweighs the known risk of harms."

Es geht also darum, jedem Mann ausreichend Informationen zu liefern, was die scheinbar harmlose Einwilligung zur PSA-Testung für sein weiteres Leben bedeutet: der Test kann tatsächlich sein Leben retten, aber es gibt auch ein beträchtliches Risiko der Überdiagnose und Übertherapie, welche mit schweren psychischen und physischen Folgen für den Betroffenen einhergehen kann. Jeder Mann muss selbst entscheiden, wo seine Prioritäten liegen, und dazu gehört die Information, dass laut der bisher besten Studie (ERSCP Trial, New England Journal of Medicine 2009) 1 Todesfall pro 1410 gescreenten Männern im Laufe des Beobachtungszeitraums von 9 Jahren verhindert werden konnte, und dass sich dazu 48 Männer einer Behandlung (mit dem Risiko von Impotenz und Inkontinenz) unterziehen mussten, um dieses eine Leben zu retten; wenn man einen längeren Zeithorizont betrachtet, wird das Verhältnis etwas günstiger (nach 12 Jahren waren ein gerettetes Leben pro 503 gescreenten und 18 behandelten Männern zu verzeichnen).

Ob man nun für sich selbst entscheidet, diese Zahlen sprächen für oder gegen die Durchführung eines PSA-Tests, hängt vom persönlichen Wertekatalog ab, und ohne diese Informationen kann man eine Entscheidung, von der so oder so das ganze weitere Leben beeinflusst werden kann, nicht treffen. Die (wohl von interessierten Kreisen und wohl für eine beträchtliche Geldsumme) veröffentlichte Anzeige im Standard vermeidet über den Großteil des Textes, der in der Anmutung eines redaktionellen Artikels gestaltet wurde, peinlich den Rat zum generellen PSA-Test - den Autoren war die Brisanz des Themas wohl nur zu gut bewusst; meist wird von schon symptomatischen Männern gesprochen und die guten Erfolge der modernen Prostatakrebstherapie (allerdings auch hier ohne die kleinste Anspielung auf deren
Nebenwirkungen) beschrieben - aber am Ende kommt es doch heraus:
Vorraussetzung einer erfolgversprechenden Therapie in einem möglichst frühen Stadium sei "eine vernünftige Vorsorge ab 40 Jahren, sprich ein Kontrolltermin beim Urologen" - und die wird wohl auch zu einem PSA-Test ab 40 Jahren führen.

Ich finde es bedenklich, dass es möglich ist, zwei volle Seiten des Standard mit einseitiger Beeinflussung der öffentlichen Meinung zu medizinischen Fragen zu kaufen, und dabei mehr oder weniger unterschwellig ein umstrittenes Screenigverfahren als so selbstverständlich nützlich wie Zähneputzen oder Coloskopie zu propagieren - meiner Meinung nach besteht hier durchaus ein moralischer Unterschied zu Werbung für Waschmittel oder Erfrischungsgetränke, bei der wir genau wissen dass uns jemand etwas zu seinem eigenen Nutzen verkaufen will, und bei der wir eine gesunde Skepsis gegenüber dem Inhalt der Werbung besitzen.

Bei nur undeutlich als Werbung gekennzeichneten Interviews mit Universitätsprofessoren und Primarii, gewürzt mit wissenschaftlich wirkenden Graphiken und "Wissen"-Boxen kann der Laie nur schwer die dahinter stehenden Interessenslagen erkennen. Meiner Meinung nach hätte der Standard dieses Inserat ablehnen, oder einen objektiv recherchierten redaktionellen Artikel zum gleichen Thema anschließen müssen.


Ihr Dr.W.Scheibelhofer


 

kathi

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